Zweibrücken : Das Designer Outlet als Spielball von Schotten, Spaniern, Belgiern und Iren

Von Georg Altherr Das Designer Outlet Zweibrücken brummt. Das nach wie vor größte Outlet Deutschlands setzt seine Erfolgsgeschichte fort: Es besteht mittlerweile aus hundert Geschäften, in den Weihnachtsferien platzte der riesige Parkplatz aus allen Nähten, 1,8 Millionen Kunden kamen im vergangenen Jahr ins Doz.

Und doch rumort es hinter den Kulissen gewaltig: Das riesige Outlet steht nämlich zum Verkauf. Seit gut zwei Jahren gehört das Outlet Zweibrücken auf dem Papier der belgischen Firma Trading Places, de facto aber der schottischen Kenmore-Gruppe. Dabei handelt es sich um einen Immobilieninvestor; früher hätte der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering Kenmore womöglich als Heuschrecke bezeichnet. Kenmore hatte große Pläne in Zweibrücken. Die Schotten wollten nach dem Outlet auch den gesamten Flughafen kaufen, das Abfertigungsgebäude für die Fluggäste zum Doz hin verlegen, Hotels errichten und Geld in Freizeitanlagen stecken. Bei der jüngsten Doz-Erweiterung im Juli spuckte der Deutschland-Chef von Kenmore, Daniel Herrmann, noch große Töne dieser Art. Danach ging er auf Tauchstation: Auch diese Woche ist er laut seines Büros verreist und nicht zu erreichen, auch telefonisch nicht. Kenmore soll Geld brauchen. Die Schotten arbeiten eng mit der Anglo-Irish-Bank zusammen, die im Juli bei der Doz-Erweiterungsfeier mit ein paar Bankern vertreten war, die unauffällig und als einzige ohne Namensschildchen im Kreis der Festgäste standen.

Die internationale Finanzkrise ließ weder Kenmore noch die Anglo-Irish Bank ungeschoren. Offenbar ist der Druck, schnell viel Geld in die Kasse zu bekommen, so groß geworden, dass die Kenmore-Gruppe bereit ist, das rentable Zweibrücker Outlet zu versilbern. Rund 50 Millionen Euro zahlte Kenmore im Oktober 2005 für das Zweibrücker Outlet, das damals noch viel kleiner war und aus "nur" 55 Läden bestand. Der Preis müsste heute also deutlich höher liegen. Noch scheint der Verkauf allerdings nicht über der Bühne zu sein, er könnte aber unmittelbar bevorstehen. Alle Beteiligten schweigen eisern. Kenmore sowieso. Bei der Deutschland-Abteilung ist niemand zu erreichen, der etwas sagen darf. Die Pressesprecherin des Unternehmens in Britannien beantwortet allgemeine E-Mails prompt, solche mit konkreten Fragen überhaupt nicht. Aber bedeutende Informationen hat sie eh noch nie rausgerückt. Obwohl das Zweibrücker Outlet der Kenmore-Gruppe gehört, wird es nach wie vor von der englischen Firma Outlet Centres International (OCI) gemanagt, also betrieben und verwaltet. Das Outlet gehörte OCI, bevor die Engländer es an die Schotten verkauften. Der Chef von OCI heißt Hans Dobke. Er ist der Vater des Zweibrücker Outlets. Er hatte die Idee, hatte es geplant, finanziert und schließlich gegen größte Widerstände durchgesetzt und gebaut.

Dieser Tage hält sich auch Dobke bedeckt. Neujahrswünsche beantwortet er schnell und höflich, konkrete Fragen nicht. Auch die allzeit freundliche und um eine Antwort nie verlegene Regina Leitner, die das Zweibrücker Outlet vor Ort souverän managt, ist abgetaucht. Ihre Pressesprecherin kann nach eigenen Angaben zum Thema Verkauf "gar nichts sagen". Das liegt wohl daran, dass der Kaufinteressent - als heißer Kandidat gilt das spanische Unternehmen Neinver - das Outlet Zweibrücken offenbar nicht nur kaufen, sondern auch selbst betreiben will. OCI wäre in dem Fall nicht mehr gefragt. Sämtliche OCI-Mitarbeiter würden damit ihren Arbeitsplatz in Zweibrücken verlieren - es sei denn, Neinver würde die OCI-Leute übernehmen. Neinver selbst wollte sich gestern ebenfalls nicht äußern. Die Pressesprecherin des Unternehmens mit Sitz in Alcobendas nördlich von Madrid, ließ sich das Telefonat nicht durchstellen, als ihr geflüstert wurde, dass der Anruf von einer Zeitung aus Zweibrücken kommt. Dem Vernehmen nach bereiten sich derzeit die Beteiligten auf das große Geschäft vor. Abgewickelt werden dürfte es wieder - wie schon im Oktober 2005 - im Zweibrücker Notariat Vogel.

Von Georg Altherr

Quelle: http://www.rheinpfalz.de, 09.01.2009

 


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