Das Alpenrhein Outlet Village (AOV) in Landquart hat mit den Gewerkschaften Syna und KV eine Vereinbarung abgeschlossen. Nicht an Bord ist die Gewerkschaft Unia. Sie will keine Sonntagsarbeit. Die Gewerkschaft Syna und die Angestelltenorganisation KV haben mit den Betreibern des AOV eine Vereinbarung über die Arbeitsbedingungen abgeschlossen. Gemäss der Bauherrin ING Real Estate Germany wird im Gegensatz zu den gesetzlichen Vorschriften auch für regelmässige Sonntagsarbeit ein Zuschlag von 50 Prozent bezahlt. Vorgesehen ist weiter die Bildung einer Paritätischen Kommission zur Überwachung des Vertrages sowie eine wöchentliche Arbeitszeit von 41 Stunden oder Mindestlöhne mit automatischen Teuerungsanpassungen. Im Vollbetrieb sollen in Landquart 350 Arbeitsplätze angeboten werden.
Für die Syna und den KV ist mit der Vereinbarung sichergestellt, dass die Mitarbeitenden gute Arbeitsbedingungen vorfinden werden. Noch nicht dabei ist die Gewerkschaft Unia. Sie stört sich am geplanten Sonntagsverkauf. Laut dem Kantonalen Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit KIGA darf das AOV Sonntags ohne Bewilligung öffnen. Dies gestützt auf das eidgenössische Arbeitsgesetz, welches Tourismusgebiete vom grundsätzlich geltenden Verbot von Sonntagsarbeit ausnimmt. Nicht einverstanden mit der Einstufung in ein Tourismusgebiet ist die Gewerkschaft Unia. Sie hat nun vom Kanton ein entsprechendes Schreiben erhalten und entscheidet in diesem Tagen über das weitere Vorgehen. Stefan Schmutz, Regionalsekretär der Unia: «Ich gehe davon aus, dass wir beim Staatssekretriat für Wirtschaft Seco eine Beschwerde einreichen. Aufgrund der vorliegenden Gesetzeslage sind wir zuversichtlich, dass wir Recht bekommen.» Eine Bewilligung der Sonntagsarbeit beim AOV in Landquart hätte für Stefan Schmutz weitreichende Folgen: «Wir befürchten, dass dann der Damm für weitere Sonntagsverkäufe im Kanton Graubünden brechen wird.» Der Gewerkschaftssekretär ist auch überzeugt, dass dies Auswirkungen auf den Kanton St. Gallen und das Fürstentum Liechtenstein hätte.
Für die Gewerkschaft Syna ist es so, dass Projekte wie das AOV grundsätzlich einen Kosumbedürfnis entsprechen, wie auch das FoxTown in Mendrisio aufzeige. Für die Syna ist es laut Carlo Mathieu, Zentralsekretär und Branchenleiter der Syna umso wichtiger, dass neue Arbeitsplätze mit beruflichen Perspektiven und fairen Arbeitsbedingungen entstehen. Dies betrifft Löhne, Arbeitszeiten oder Entschädigung für Sonntagsarbeit. Carlo Mathieu: «Der nun vorliegende Vertrag für das AOV trägt dazu bei.» Grundsätzlich seien GAV-Verhandlungen nie einfach und die Wirtschaftskrise erschwere die Situation zusätzlich. «Auf der anderen Seite ist unsere Motivation umso grösser, vor allem in schwierigen Zeiten das Beste für die Mitarbeitenden heraus zu holen,» erklärt Carlo Mathieu. Dass die Arbeitsbedingungen auch nach Aufnahme des AOV am 26. November 2009 eingehalten werden, prüft die paritätische Kommission mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern. Die Syna wird zudem immer wieder bei den Mitarbeitenden präsent sein und ihre Bedürfnisse aufnehmen und sie vertreten. Die wirtschaftlich schwierigen Zeiten führen vermehrt zu Verstössen gegen das Arbeitsgesetz und mehr Einsätze für die Gewerkschaften. Dies bestätigt auch Carlo Mathieu. «Wo der wirtschaftliche Druck steigt, wird die Versuchung zum Missbrauch grösser. Gerade deshalb steigt unsere Verantwortung als Gewerkschaft. Wir müssen vermehrt dazu sorgen, dass die Rechte zum Schutz der Mitarbeitenden eingehalten werden,» so der Zentralsekretär der Syna
Quelle : www.volksblatt.li, 6. Oktober 2009