Die führenden Politiker unserer Region hoffen nicht nur, dass sich die Erfolgsgeschichte des Designer Outlets Zweibrücken bei einem Einstieg des drittgrößten europäischen Outlet-Betreibers fortsetzt. Sondern auch, dass Neinver die Freizeitsäule auf dem Zweibrücker Airportgelände stärkt.
Zweibrücken. Das größte deutsche Fabrikverkaufszentrum steht vor einem erneuten Eigentümerwechsel. Die spanische Neinver-Gruppe verhandelt über eine Übernahme des DOZ (Designer Outlets Zweibrücken). Eine Neinver-Sprecherin erklärte am Freitag auf Merkur-Anfrage, es gebe zwar "im Moment keine Nachrichten", kündigte aber "nächste Woche Informationen" an.
Im Gegensatz zu dem früheren Eigentümerwechsel hätte ein Neinver-Einstieg vermutlich auch direkte Auswirkungen vor Ort. Denn während bislang trotz wechselnder Investoren der DOZ-Betreiber immer OCI (Outlet Centres International) war, managt Neinver seine Outlet-Center selbst.
Neinver ist laut einer aktuellen Marktübersicht der Wiesbadener Beratungsgesellschaft Ecostra der drittgrößte Outlet-Betreiber in Europa. OCI hatte zwar die Marktführerschaft angestrebt, es aber nicht in die Top-10 geschafft.
Der bisherige DOZ-Eigentümer, die schottische Investoren- und Immobiliengruppe Kenmore, äußerte sich am Freitag nicht zu einem möglichen Verkauf. Ebenso wenig DOZ-Leiterin Regina Leitner: "Ich kann nichts sagen."
Das DOZ (100 Geschäfte auf 18 200 Quadratmeter Verkaufsfläche) verzeichnet seit der Eröffnung 2001 Jahr für Jahr neue Besucher- und Umsatz-Rekorde. 2005 verkaufte es die US-Investmentbank Lehman Brothers für über 50 Millionen Euro an Kenmore. 2008 interessierte sich Kenmore für den Flughafen Zweibrücken, Verhandlungen scheiterten.
Neinver hat auch bereits Freizeitprojekte entwickelt. Schon seit Jahren wird vergeblich nach neuen großen Freizeitattraktionen in der Nähe des DOZ gesucht. Bei seinem Outlet-Center Alegra nördlich von Madrid hat Neinver gerade eine europaweit einzigartige Freizeitattraktion eröffnet, "Micropolix". In dem Kinder-Freizeit- und Lernpark kann man in einer 9000-Quadratmeter-Stadt 100 verschiedene Berufe spielerisch kennenlernen, zum Beispiel Krankenhaus-Arzt, Moderator oder Flugzeugpilot.
Der rheinland-pfälzische Wirtschaftsministeriums-Sprecher Joachim Winkler sagte am Freitag: "Wir wissen, dass es diese Verkaufsgespräche gibt, sind darin aber nicht eingebunden." Zweibrückens Oberbürgermeister Helmut Reichling erklärte: "Meine persönliche Meinung ist: Die ganze Zeit waren mit Lehman Brothers und Kenmore Finanzgesellschaften als Investoren im DOZ. Es kann nur positiv sein, wenn das jetzt jemand aus der Branche macht." Ob es schon Gespräche mit Neinver über Freizeitattraktionen gibt, wisse er nicht. "Es ist auf jeden Fall keine Verschlechterung, wenn jemand kommt, der Outlet-Betrieb und Freizeitattraktionen professionell verbindet." Wie Reichling hofft auch Kurt Pirmann, Verbandsbürgermeister von Zweibrücken-Land, dass die Spanier Center-Chefin Regina Leitner und viele Mitglieder ihres Teams übernehmen. Über Freizeit-Investitionen von Neinver wolle er nicht spekulieren. Pirmann: "Wenn die da sind, setzen wir uns an einen Tisch." Gut sei, dass die Spanier "keine Neulinge sind und auch von der Größenordnung vergleichbare Outlets betreiben", bislang in Spanien, Portugal, Italien und Polen.
Südwestpfalz-Landrat Hans Jörg Duppré wünscht sich "vor allem, dass die sehr positive Entwicklung des DOZ weitergeht." Sollte Neinver auch Freizeitinvestitionen planen, würde ihn das sehr freuen. "Bis heute hat Neinver fast
1,5 Millionen Quadratmeter Handelsfläche in Europa entwickelt."
Quelle: Neinver-Pressemappe http://www.pfaelzischer-merkur.de, 16.01.2009