Schnäppchenjäger auf der Pirsch

Outlet Center und Diskonter kommen bei den Österreichern gut an und werden zu Gewinnern der Krise

Von Petra Medek

  • Krise schärft Preisbewusstsein.
  • Aufzählung Marktforscher: Vier bis fünf Outlet Center möglich.

Wien. Schnäppchenjäger waren die Österreicher schon immer. Die Wirtschaftskrise hat diesen Trend offenbar noch verstärkt. Denn während der gesamte heimische Einzelhandel zuletzt deftige Einbußen hinnehmen musste – im ersten Quartal sank der Umsatz um 4,1 Prozent –, erfreuen sich Diskonter, aber auch Outlet Center zunehmender Beliebtheit.

"Diskonter sind die Gewinner der Krise", meint Mirko Warschun vom Beratungsunternehmen A.T. Kearney. "In Jahren des wirtschaftlichen Abschwungs ist ihr Wachstum sogar rund doppelt so hoch wie in Aufschwungsphasen. Traditionelle Lebensmitteleinzelhändler profitieren dagegen nur eingeschränkt von der wirtschaftlichen Situation."

Erfolgsfaktoren der Billiganbieter

Das eingeschränkte Sortiment, der hohe Anteil an Eigenmarken sowie das gute Preis-Leistungsverhältnis sind jene Erfolgsfaktoren, die den Diskontern vor allem auch jetzt zu Gute kommen. Der Experte schätzt, dass die Billighändler mit Eigenmarken etwa 80 Prozent erwirtschaften. Genaue Zahlen dazu gibt es jedoch nicht. Hofer, wichtigster Lebensmitteldiskonter im Land und Nummer drei am heimischen Markt, wuchs laut den Marktforschern von AC Nielsen im vergangenen Jahr um 5,7 Prozent. Der Billiganbieter gibt traditioneller Weise keine Zahlen bekannt– Branchenschätzungen von 3,3 Mrd. Euro Umsatz für 2008 "seien aber nicht ganz falsch", sagten die Hofer-Chefs Friedhelm Dold und Johann Mörwald zuletzt im Interview mit der "Wiener Zeitung". Insgesamt stellen Diskonter im heimischen Lebensmittelhandel mehr als 30 Prozent des Marktes.

Dass das Preisbewusstsein der Österreicher durch die Krise geschärft wurde, zeigen auch die Zuwächse der Supermarktketten bei Eigenmarken: Laut Nielsen haben Eigenmarken im Lebensmitteleinzelhandel bereits einen Anteil von knapp 30 Prozent.

Über Zuwächse freut sich auch das Outlet Center von McArthurGlen in Parndorf im Burgenland. Laut Country-Manager Thomas Reichenauer stieg der Umsatz in den ersten Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2009/10 (ab April) um acht Prozent, die Zahl der Besucher wuchs um rund vier Prozent. "Wir sind von der Krise nicht betroffen. Die Krise kommt uns sogar zugute, weil die Menschen weiterhin Designer-Marken kaufen wollen – jedoch billiger", meint Reichenauer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Für das gesamte Geschäftsjahr, das Ende März 2010 endet, wäre Reichenauer nach eigenen Worten mit einem einstelligen Umsatzplus zufrieden – Unsicherheitsfaktor ist der Sommertourismus am Neusiedler See. "Das Geschäft in den Ferienmonaten ist bei uns genau so wichtig wie das Weihnachtsgeschäft."

Vor diesem Hintergrund investiert der Betreiber McArthurGlen fleißig weiter in Österreich: Ende 2010, Anfang 2011 werden in Parndorf 30 Shops zu den bestehenden 150 dazu gebaut, und in Salzburg wird das ehemalige Airportcenter gerade für rund 100 Mio. Euro in ein Outlet Center umgebaut. Die Eröffnung ist für den Spätsommer geplant.

Schaumgebremstes Wachstum an Grenze

Auch bei der Konkurrenz läuft das Geschäft gut: Das Freeport Outlet Center an der österreichisch-tschechischen Grenze wird im demnächst endenden Geschäftsjahr (per Ende Juni) ein Umsatzplus von rund 10 bis 15 Prozent erwirtschaftet haben, schätzt Center-Chef Jan Prohazka.

Das scheint zwar astronomisch hoch in Relation zum stationären Einzelhandel – doch für Prohazka ist es enttäuschend. Schließlich hatte er sich vergangenes Jahr einen Zuwachs von 25 Prozent zum Ziel gesetzt. Grund sei die Wirtschaftskrise, die zur Verunsicherung der Konsumenten führe. Seit Jahresbeginn merke man, dass die Mittelschicht weniger einkauft.

Profitieren kann das Einkaufszentrum beim Grenzübergang Kleinhaugsdorf von der Sonntagsöffnung: "An Samstagen und Sonntagen ist unser Umsatz doppelt so hoch wie an den übrigen Wochentagen", erzählt der Center-Manager. Während sich die Kundschaft an Samstagen je zur Hälfte aus Tschechen und Österreichern zusammensetze, kämen an Sonntagen rund 80 Prozent der Besucher aus Österreich.

Die Österreicher lassen sich ihren Ausflug an die Grenze auch etwas kosten: Laut Prohazka gibt eine Familie rund 170 Euro pro Besuch im Freeport Center aus. Aber auch die Tschechen sind spendabel: Sie kaufen um 150 Euro pro Familie und Einkaufs-Trip ein.

In Sachen Expansion ist Freeport im Gegensatz zu Parndorf jedoch bald am Limit: Derzeit gibt es 70 Geschäfte, innerhalb der nächsten 14 Tage sollen zwei weitere dazukommen. Dann sind bereits 93 Prozent der zur Verfügung stehenden Fläche vermietet, ein weiterer Ausbau sei nicht möglich, sagt Prohazka etwas wehmütig.

Heimischer Markt bietet noch Potenzial

Dass weiterer Bedarf nach billiger Designer-Ware in Österreich besteht, bestätigen auch die Marktforscher von Regioplan. Aus ihrer Sicht wäre hierzulande Potenzial für vier bis fünf Outlet Center. Zusätzlich zum McArthurGlen-Center in Salzburg läuft ein Projekt in Graz, für das der Spatenstich im nächsten Jahr erfolgen soll. Werden diese beiden Projekte realisiert, sei der Markt nahezu ausgeschöpft, meint Michael Oberweger von Regioplan.

Im internationalen Vergleich liegt Österreich mit einer Standortdichte von 3,8 Quadratmetern pro 1000 Einwohner bereits im europäischen Mittelfeld.

Auch jenseits der Grenzen findet dieser Vertriebstyp Anklang: Im Ost- und südosteuropäischen Raum sind derzeit insgesamt 19 Outlet Center in Planung.

Quelle : www.wienerzeitung.at, 08. Juni 2009

 


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