Die Pläne des Fabrikverkaufszentrums Designer outlets (DOW) in Wolfsburg sind ehrgeizig: Projektentwickler Hans Dobke will Verkaufsfläche und Ladenzahl trotz Finanzkrise und begrenzter Sonntagsöffnung bis 2011 verdoppeln. In eineinhalb Jahren sollen zwei weitere Ellipsen errichtet, 50 zusätzliche Geschäfte eröffnet werden.
Für den nötigen zweiten Bauabschnitt, der Mitte 2010 beginnt, muss sich der in England lebende Geschäftsführer der Outlet Centres International (OCI) allerdings einen neuen General-Unternehmer suchen. Mit dem Baudienstleister des 2007 errichteten DOW liegen er und fünf Wolfsburger Handwerksfirmen im Streit um ausstehende Rechnungen, Baumängel und Bürgschaften.
Wo auf 11 500 Quadratmetern Verkaufsfläche zwischen Phaeno und Autostadt bis heute fast 1,3 Millionen Kunden durch rund 50 Geschäfte bummeln, sah es im Herbst vor zwei Jahren aus wie auf einer Riesenbaustelle. Rund 100 Bauarbeiter waren im Einsatz, manche Gewerke arbeiteten selbst sonntags.
Dass es hinter den Kulissen wegen unbezahlter Rechnungen und angeblich bis zu 100 Ausführungsänderungen zunehmend zu Reibereien zwischen Management, örtlichen Firmen und dem Generalunternehmen, der international agierenden Firmengruppe Wolff und Müller aus Stuttgart, kam, wurde erst ein Jahr später bekannt.
Mittlerweile geht die ebenfalls in der Landeshauptstadt beheimatete Lüftungs- und Kältetechnikfirma Caverion sehr offen mit dem Streit ums viele Geld um. Ihre Wolfsburger Filiale klagt Ende Mai für sich und vier weitere örtliche Unternehmen vor dem Landgericht Stuttgart gegen Wolff und Müller, ein Branchenriese mit rund 2600 Mitarbeitern und 778 Millionen Euro Jahresumsatz (2007).
Die Caverion-Zentrale erklärte gestern, das Auftragsvolumen von 2007 habe 4,1 Millionen Euro umfasst. Davon stünden Zahlungen über eine halbe Million Euro aus – vor allem wegen außerplanmäßiger Einzelmaßnahmen beim Bau.
Auch Geschäftsführer Dobke ist sauer auf Wolff und Müller. Dem Zentrum sei durch Baumängel und Bürgschaften ein Schaden von rund 3,5 Millionen Euro entstanden. Dobke geht von gerichtlicher Klärung aus. Wolff und Müller wollten den Fall nicht kommentieren.
Von Michael Kothe
Quelle: www.newsclick.de, 14.05.2009