Von Maria Neuendorff
Wustermark (MOZ) Die großen Einkaufszentren auf der Wiese sind längst Geschichte, will am meinen. Doch an der Bundesstraße 5 bei Wustermark (Havelland) wird derzeit wieder kräftig gebaut. Dort entsteht ein riesiges künstliches Shopping-Dorf für verbilligte Designermode. Am 18. Juni soll der erste Abschnitt öffnen.
Der Verkehr rauscht unaufhörlich über die Bundesstraße 5 und den Berliner Ring. Kurz hinter McDonalds und einer Tankstelle vermischen sich die Motorengeräusche mit denen von Baumaschinen. 40 von 90 Gebäuden des neuen Shopping-Centers namens Designer Outlet stehen schon. Doch es sind nicht die üblichen Stahl-Glas-Konstruktionen, die sonst den kühlen Charme moderner Einkaufszentren ausmachen. Unter den Gerüsten kommen bunt verputzte Fassaden in neo-klassischem Stil zum Vorschein, mit Fachwerk- und Klinkerverzierungen, filigranen Giebeln und klassischen Säulenkapitellen. Den Kupferturm des symbolischen Rathauses ziert ein Wetterhahn. Gusseiserne Laternen säumen die Straßen, die von einer mittelalterlichen Mauer umschlossen werden. "Man bekommt wirklich den Eindruck, man schlendert durch eine märkische Stadt aus dem 18. Jahrhundert", sagt Andreas Guttschau. Er ist in der 8000-Seelen-Gemeinde Wustermark zuständig für die Infrastruktur und ziemlich angetan vom künstlichen Shopping-Dorf direkt vor der Haustür.
Kein Wunder, architektonisch passt es allemal besser ins Landschaftsbild als das ursprüngliche "Designer Outlet B5". Als dieses im Jahr 2000 an gleicher Stelle eröffnete, galt es mit seinen 11 000 Quadratmetern Verkaufsfläche als größtes Center seiner Art in Berlin und Brandenburg. Auch damals schon verkauften dort Firmen wie Nike, Adidas, Stefanel, Schiesser und Tommy Hilfiger Markenartikel aus Vorjahreskollektionen und Überschussbeständen zwischen 30 bis 70 Prozent günstiger.
Guttschau ist nicht traurig, dass das mit seinen blau lackierten Stahlstreben etwas sperrig geratene Center nun wieder abgerissen wird. "Das war mehr etwas für einen Innenstadtbereich", meint der Behördenmitarbeiter. In das neue Dorf hat die britisch-amerikanische Eigentümergruppe McArthurGlen, die 17 Outlet-Center in Europa betreibt, 80 Millionen Euro investiert. Nach der kompletten Fertigstellung soll das Center über eine Verkaufsfläche von 16 500 Quadratmetern verfügen und 100 Geschäften mit Designermarken sowie Cafés und Restaurants Platz bieten, kündigt die McArthurGlen-Gruppe an.
Die Größe ist ein Kompromiss zwischen Berlin und Brandenburg. Hätte man noch größer geplant, hätte das Land Berlin Widerstand geleistet und seine Rechtsanwälte in die Spur geschickt, sagen die Organisatoren. Denn Spandau mit seinen 33 000 Quadratmeter großen Arkaden ist nur 15 Kilometer entfernt. Und die Hauptstadt fürchtet, weitere Kaufkraft an das Umland zu verlieren.
In Wustermark freut man sich dagegen über die Ansiedlung, soll sie doch bis zur endgültigen Fertigstellung im Herbst 2010 rund 700 Jobs bringen. "Schon jetzt sind 400 Leute im Designer Outlet beschäftigt", sagt Guttschau. Das alte Center habe jährlich eine Million Besucher ins Elstal gelockt. Nun rechne man sogar mit drei Millionen.
Derartige Kundenströme bringen aber auch Probleme mit sich. "Gerade am Wochenende nach der Eröffnung rechnen wir mit weiträumigen Staus", sagt Guttschau. Um die Anfahrt zu verbessern, würden noch neue Straßen gebaut. Auch die Anbindung durch den öffentlichen Nahverkehr ist noch verbesserungsbedürftig. Am Bahnhof Elstal hält zwar der Regionalexpress 2 aus Cottbus. Aber von dort aus geht es nur mit dem Bus weiter. "Die Taktzeiten müssen noch besser aufeinander abgestimmt und die Routenführung verkürzt werden. Die Gespräche dazu laufen bereits", versichert Guttschau.
Zur feierlichen Eröffnung des ersten Teilabschnitts am 18. Juni wird auch Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) erwartet. Eine wichtige Person wird allerdings fehlen. Architekt Moritz Kock, der mit seinem Potsdamer Büro das Shopping Dorf entworfen hat, gehört zu den Opfern des Unglücksfluges Unglücksflug AF 447 von Rio de Janeiro nach Paris. "Erst vor kurzem bin ich hier noch mit ihm über die Baustelle gelaufen", sagt Guttschau.
Quelle : www.moz.de, 07. Juni 2009