Dinslaken (RP) Die Duisburger wollen eines in Hamborn, einige in Dinslaken wollen auch eines - auf dem Zechengelände in Lohberg. Aber wäre ein Outlet-Center tatsächlich gut für Dinslaken? Eine Informationsveranstaltung sollte Klarheit bringen.
Das Kräfteverhältnis auf dem Podium im Saal des ehemaligen Ledigenheims war gestern ungleich verteilt. Fünf Experten, bei vier von ihnen fiel das Urteil von äußerst skeptisch bis zu eindeutiger Ablehnung aus. Lediglich Dr.Joachim Will von der Ecostra, einem Gutachterbüro für die Entwicklung von Einzelhandelsflächen, das sich intensiv mit dem Thema „Factory Outlet-Center“ beschäftigt, konnte den Outlet-Centern viel Positives abgewinnen.
Will, auf Antrag der FDP eingeladen, die sich bekanntlich für ein Outlet-Center auf dem Zechengelände stark macht, versuchte anhand der Zahlen der bestehenden Outlet-Center in Zweibrücken, Wertheim, Ingolstadt und im österreichischen Parndorf deutlich zu machen, dass solche FabrikVerkäufe von hochwertigen Markenartikeln zum günstigen Preis keine negativen Auswirkungen auf die Innenstadtzentren haben. Konkretes zu den Überlegungen für das Zechengelände konnte er freilich nicht beisteuern. Er kennt, wie er bekannte, die Verhältnisse in Dinslaken und das Zechengelände nicht und, so Will: „Bei Outlet-Centern muss der Standort passen.“
Deutlich skeptischer als Will fiel die Stellungnahme von Dr.Donato Acocella, Stadt- und Regionalentwickler und ebenfalls intensiv mit Outlet-Centern befasst, aus. Er sieht sehr wohl beachtliche Auswirkungen auf den innerstädtischen Handel. „Ein Outlet-Center schadet zumindest einzelnen Betreibern.“ Die Umsatzumverteilung treffe am stärksten immer den Handel am jeweiligen Standort.
Das sieht auch Astrid Schulte von der Niederrheinischen Industrie- und Handelskammer so. „Ein Factory Outlet-Center löst immer auch einen Verdrängungsprozess aus.“ Natürlich gehe es bei solchen Vorhaben immer auch um Arbeitsplätze und Gewerbesteuereinnahmen, doch müssten Chancen und Risiken dabei sorgfältig abgewogen werden. Und für Dinslaken, so die IHK-Vertreterin, stünden Chancen und Risiken in keinem guten Verhältnis. Noch eindeutiger äußerte sich Wilhelm Bommann, Hauptgeschäftsführer des niederrheinischen Einzelhandelsverbandes: „Ein Factory Outlet-Center gehört nicht nach Lohberg.“
Für Bommann gefährdet ein Outlet-Center mit seinem innenstadtrelevanten Angebot insbesondere den mittelständischen Einzelhandel. Außerdem zweifelt er an den erhofften positiven Effekten für die Arbeitsplätze.
VON JÖRG WERNER
http://www.rp-online.de, 14.02.2008