Die Markenwelt ist noch eine heile Welt

Krisenfest. Designerware zu reduzierten Preisen zieht. Ob Salzburg der richtige Standort für eine Outlet-Center ist, wird sich bald zeigen.

KARIN ZAUNER Salzburg (SN). Krise schaut anders aus. Das einzige in Österreich noch verbliebene Factory Outlet Center (FOC), jenes von McArthurGlen in Parndorf, hat im Geschäftsjahr 2008/09 (endet Ende März) ein Umsatzplus von sieben Prozent gemacht und seit April bis jetzt bei gleicher Verkaufsfläche noch einmal um acht Prozent zugelegt. In einem Monat wird McArthurGlen an der Stadtgrenze von Salzburg ein zweites FOC oder Designer Outlet Center (DOC), wie man sich nennt, eröffnen. Die Umsatzsteigerungen der FOC in Nordeuropa bewegen sich alle in einem ähnlich guten Ausmaß. Auch das an der österreichischen Grenze liegende Freeport International Outlet in Kleinhaugsdorf berichtet von Umsatzsteigerungen im ersten Halbjahr von fünf bis sieben Prozent.

Zum Start in Salzburg werden 100 Shops von bis zu 140 möglichen eröffnen. Brancheninsider werten es als kein gutes Zeichen, dass man nicht von Anfang an voll belegt ist. Doch der Geschäftsführer für McArthurGlen in Österreich, Thomas Reichenauer, hält dagegen, dass ein DOC-Start mit 100 Shops der bisher größte bei McArthurGlen sei. Der Entwickler und Betreiber von Designer Outlets mit 17,3 Prozent Marktanteil und fast 70 Mill. Besuchern jährlich in Europa betreibt 17 Center. „Nur zum Vergleich, in Berlin haben wir gerade mit 35 Shops gestartet“, sagt Reichenauer. Er dementiert heftig kursierende Gerüchte, wonach in Salzburg Markenhersteller abgesprungen seien. „Das stimmt nicht, wir werden im Gegenteil hochwertige Marken haben, die es am österreichischen Markt mit eigenen Shops noch nicht gibt.“ Doch darüber, wer nun konkret in das neue Haus mit 28.000 Quadratmetern Mietfläche in unmittelbarer Nähe zum Salzburger Flughafen einziehen wird, schweigt sich Reichenauer noch aus. Ein Monat vor Eröffnung ist dies ungewöhnlich. So müssen die Kunden also noch warten, welche Markenware sie künftig zu 30 bis 70 Prozent reduzierten Preisen kaufen können.

Dass die Mitbewerber in Österreich, Leoville und Sale-City, die Segel streichen mussten, hat laut RegioPlan-Chef Wolfgang Richter etwas mit deren Konzepten zu tun und nichts damit, dass Österreich nicht mehr als ein Factory Outlet Center vertragen würde. Freilich habe Salzburg nicht die idealen Standortvoraussetzungen. Ein FOC brauche wegen seiner niedrigen Marktdurchdringung und des großen Einzugsgebiets von bis zu zwei Fahrstunden sehr viele Einwohner, sprich Millionenstädte, sagt Richter. Auch die Nähe von Tourismusorten sei ideal. Salzburg wäre für den RegioPlan-Chef aber nicht erste Wahl. Ein iedealer zweiter Standort in Österreich wäre an der Tauernautobahn oder im Inntal, sagt Richter.

McArthurGlen hingegen erwartet sich im ersten vollen Geschäftsjahr in Salzburg zwei Millionen Besucher und dann jährliche Steigerungsraten im zweistelligen Bereich. Die Besucher werden neben Salzburg aus Kärnten, München, Innsbruck und Linz erwartet.

Trotz Krise läuft das Geschäft mit Designerware. „Die Kunden wollen nach wie vor qualitative Markenware“, sagt Reichenauer. Aber es müsse nicht mehr immer die neueste und damit viel teurere Kollektion sein. Wobei der Saisongedanke bei immer schneller wechselnden Kollektionen ohnehin oft nur mehr eine untergeordnete Rolle spielt. Manche Markenproduzenten schicken ihre Ware schon nach zwei bis drei Wochen in die FOC. „Im Durchschnitt ist die Ware aber drei Monate alt“, erklärt Reichenauer.

Auch RegioPlan-Chef Richter zeichnet ein positives Bild für Markenhersteller. Zwar würden die Menschen jetzt auch bei höherwertigen Marken vorsichtiger kaufen, also weniger oder günstiger, aber die Zurückhaltung sei geringer als etwa bei Urlauben. Das treffe für die FOC europaweit zu.

In der Salzburger Innenstadt und in den Umlandgemeinden herrscht unterdessen Sorge wegen des neuen Mitbewerbers, der für ein FOC ungewöhnlich nahe an der Landeshauptstadt situiert ist. Doch RegioPlan-Chef Richter beruhigt. Ein Factory Outlet Center habe stets einen kleinen Marktanteil, in einzelnen Segmenten werde es ein bis maximal zwei Prozent Marktanteil erreichen können. „Wenn es einem Mitbewerber schon dreckig geht, tut das freilich auch weh.“

Weh getan hat sich mit dem Standort des neuen FOC in Wals freilich schon das Versicherungskonsortium rund um die Wiener Städtische. Weil das Vorgängerprojekt eines Einkaufszentrums gescheitert ist, hat man noch einmal 100 Mill. Euro in die Hand genommen, um die frühere Fehlinvestition nun in ein gutes Geschäft zu verwandeln.

Dem Arbeitsmarkt tut das neue Center jedenfalls im Moment gut. Für den Start im September werden rund 800 Mitarbeiter benötigt, bis Ende 2010 sollen es 1000 sein. Die Hälfte der Jobs sind allerdings Teilzeitjobs.

KARIN ZAUNER

Quelle: www.salzburg.com, 05.08.2009

 


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