Die Einzelhändler graust es bereits: An der deutsch-französischen Grenze bei Baden-Baden entsteht ein riesiges Outlet-Center. Ab 2010 könnte es sogar für Saarländer ein lohnendes Shopping-Ziel sein.
Roppenheim. Für die einen ist es die Hölle, für die anderen ein Paradies. Der britische Investor Freeport Leisure hat bereits im März 2001 das "Shopping Vergnügen für die ganze Familie" im elsässischen Roppenheim, 50 Kilometer nördlich von Straßburg, angekündigt. Aber erst jetzt sind die Bagger angerückt, um auf dem 7,2 Millionen Euro teuren und 17 Hektar großen Gelände Fakten zu schaffen. Ein See soll entstehen, es müssen Wege zum Parkplatz für 1800 Autos her und ein der elsässischen Dorfidylle nachempfundenes Stadtbild, das als "Markendorf" ab dem Jahr 2010 Shopping-Fans von nah und fern anlocken soll. Hinter pittoresken Fassaden mit putzigen Erkern und Giebeldächern wird König Kunde dann in 117 Boutiquen feinste Designerware aus der ausgelaufenen Kollektion mindestens 30 Prozent günstiger kaufen können. Weil die Organisatoren damit rechnen, dass in einem Umkreis von 90 Autominuten rund 8,4 Millionen potenzielle Käufer leben, will Freeport mit der Investitionssumme nicht kleckern. Für Grundstück, Verkehrsanbindung und Baukosten sind 60 Millionen Euro einkalkuliert. Es könnte sich lohnen: die Londoner Zentrale rechnet im ersten Jahr mit 1,7 Millionen Kunden für das "Alsace International Outlet", 23224 Quadratmeter Ladenfläche werden den Kaufbegeisterten zur Verfügung stehen. "Für uns ist Roppenheim ein Schlag ins Kontor", heißt es mit unüberhörbarer Verärgerung beim elsässischen Einzelhandelsverband. Das Markendorf ließe dem klassischen Einzelhandel keine Chance und ruiniere Existenzen.
Der elsässische Einzelhandelsverband hat deshalb Klage gegen das Bauvorhaben eingereicht.
Klage abgelehnt
Zwar lehnte die "Kommission für Handelsflächen" im Departement Bas-Rhin das Projekt am 15. Juni 2004 ab, der Nationale Ausschuss in Paris erklärte es am 4. November 2004 aber für zulässig. Die daraufhin vom elsässischen Einzelhandelsverband beim Staatsrat eingereichte Klage wurde im Mai 2006 abgelehnt. Dass die Elsässer bei dem juristischen Scharmützeln auch den badischen Handel und sogar den Regionalverband Südlicher Oberrhein an ihrer Seite hatten, hat nicht geholfen. "Jetzt können wir nur noch der Dinge harren, die da kommen", heißt es resigniert beim elsässischen Einzelhandelsverband. Roppenheim ist das zehnte Freeport-Outlet in Europa - und das erste in Frankreich. Freeport sieht nur Vorteile für die Region. Man spricht von "einer neuen Shopping-Destination". Und die sei nicht nur für 600 Vollzeitstellen gut. Außer Caf&;s, Restaurants, einem Markt mit regionalen Spezialitäten und kulturellen Animationen habe auch ein Tourist-Info-Center seinen Platz. Kooperationen mit Tourismusverbänden aus Elsass und Schwarzwald seien angestrebt. Man glaubt, dass über die Hälfte der Kunden aus Deutschland kommen. Sie sollen sich als Gäste der Region fühlen und vielleicht länger bleiben als nur zum Shoppen.
Von SZ-Mitarbeiter Thierry Schauer, 23.06.2008
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