De-facto-FOC in Stuhr und DOW in Wolfsburg

Ende Januar 2009 soll der Standort für das Factory Outlet Center (FOC) in der Lüneburger Heide bekannt gegeben werden. Im Raum steht zudem die Option, keinem der drei Bewerber Soltau, Bispingen und Bad Fallingbostel den Zuschlag zu geben, sofern es keinen Mehrwert für die Region gibt. Doch auch wenn tatsächlich keiner der Bewerber die geforderten Hürden überwindet, ist Niedersachsen kein Bundesland ohne FOC. Seit einem Jahr ist ein FOC in Wolfsburg geöffnet und in Stuhr, bei Bremen, hat sich über Jahre ein De-Facto-FOC entwickelt.

Seit Dezember 2007 bieten Hersteller im Designer Outlet Wolfsburg (DOW) auf 10.000 m2 Waren an. In den ersten Bauabschnitt des innerstädtischen FOC wurden von der Outlet Centres International (OCI) 50 Mio. Euro investiert. 80% der Flächen sind vermietet. Die verbleibenden Flächen werden, so Branchenkenner, oft für Edelmarken wie Ralph Laureen freigehalten, die zunächst die Frequenz eines FOC prüfen, bevor sie – gelegentlich kostenfrei – als attraktiver Ankermieter einen Shop beziehen.

1,2 Mio. Besucher im DOW

OCI plant, so Joachim Schingale, Leiter der Wolfsburg-Marketing, 2010 weitere 7.000 m2 zu beziehen, die für 45 Mio. Euro Richtung Porschestraße entstehen sollen. Voraussichtlich 1,2 Mio. Menschen werden nach Schingales Angaben 2008 das DOW besucht haben. Wolfsburg habe mit der direkten Nachbarschaft zur Autostadt Wolfsburg und zum Phaeno Science Center auf die Verknüpfung von Shopping und Tourismus gesetzt. Während der in der 1a-Lage Porschestraße eher schwache Einzelhandel in der Woche gut mit dem DOW leben könne, kritisieren die Händler die Sonntagsverkaufsoption des DOW, die 2008 „nur“ zwölf Mal in Anspruch genommen wurde. OCI geht in der Heide mit Bad Fallingbostel an den Start. Für mediale Resonanz hatte die Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers gesorgt, die in Wolfsburg Mitinvestor war und auch für Bad Fallingbostel gesetzt war. OCI-Chef Hans Dobke verwies jedoch verschiedentlich auf das rege Interesse anderer Investoren.

Ochtum-Park in Stuhr

Keinen offiziellen Status als FOC-Standort hingegen hat der Ochtum-Park im Stuhr, südlich von Bremen an der A1. Das niedersächsische Stuhr hat 32.000 Einwohner und „schleichend“, so ein Branchenkenner, im Ortsteil Brinkum-Nord einen FOC-Standort etabliert. Wer unter www.ochtumpark.net nachschaut, findet hier Factory Outlet Stores von Adidas, Marc O´Polo, Esprit, Tommy Hilfinger, Nike, Braxx, Puma, Levi´s, Möve und einige andere. In einer Auflistung deutscher Factory Outlet Center der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) vom September 2008 wird die Verkaufsfläche mit 6.700 m2 angegeben und auf die geplante Erweiterung auf 11.000 m2 verwiesen. Nach Angaben von Rolf Müllmann, mit seiner Frau Michaela Müllmann Gesellschafter der Miro Grundstücksverwaltung, die Eigentümer und Betreiber der Factory-Outlet-Stores ist, wird die Verkaufsfläche gerade von 15.000 m2 auf 18.000 m2 erweitert. Im Februar 2009 beziehen Gerry Weber, Tom Tailor, Betty Barclay und ein weiteres Unternehmen, dass sich in den nächsten Tagen gegen zehn andere Bewerber durchsetzen muss, die neuen Flächen. „Das ist kein Beispiel für gute Planung in Niedersachsen“, sagt Hildegard Zeck, Referatsleiterin im zuständigen niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung. „Weder aus raumordnerischer noch städtebaulicher Sicht.“ Die Referentin verweist auf bestehendes Baurecht aus der Zeit vor der Baunutzungsverordnung von 1968. „Ziele der Raumordnung greifen bei bestehendem Baurecht nicht.“

Gemengelage von Interessen

Zudem lassen sich ihre Aussagen dahingehend deuten, dass eine Gemengelage verschiedener Interessen dazu geführt hat, dass bestehendes Recht nicht konsequent Anwendung gefunden hat. Die Nachbarkommunen haben sich zunächst nicht beklagt, um sich selbst entsprechende Ansiedlungsoptionen offen zu halten. Der Landkreis Diepholz, als Genehmigungsbehörde, hat in Stuhr quasi seinen einzigen Wachstumszipfel an der Bremer Peripherie.

Erst im neuen Jahrtausend wurden die Klagen aus der Nachbarschaft lauter und Bremen klagte gegen die Erweiterung des Ochtum-Parks. Nach Zurückweisung der Klage durch das Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg Ende 2005 einigten sich die Stadt Bremen und die Gemeinde Stuhr auf eine verbesserte interkommunale Kooperation. Parallel wurde Stuhr in der Novellierung des LROP vom Grundzentrum zum Mittelzentrum aufgewertet. Als Gegenleistung versprach das neue Mittelzentrum einer weiteren Expansion des De-facto-FOC durch Überplanung des Areals ein Ende zu setzen.

Rolf Müllmann betont, das OVG habe festgestellt, der Ochtum-Park sei kein FOC. „Es gibt kein Centermanagement, keine gemeinsamen Werbeaktionen.“ Wenn jemand in der Fußgängerzone einige Läden nebeneinander besitze, sei das deswegen ja kein Einkaufszentrum. Dass der Ochtum-Park in vielen Einkaufsführern, aber auch Studien als FOC geführt wird, sieht er gelassen: „Die Kunden können das sehen, wie sie wollen.“ (ff)

Quelle: http://immobilienjournalist.de, 08.12.2008

 


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